Wer gibt das Handwerk im Jahr 2038 noch weiter?
Nach vier Jahren Forschung haben wir ein zentrales Problem identifiziert:
Das Handwerk leidet nicht an Fachkräftemangel. Es leidet unter einem Mangel an Weitergabe von Fachkompetenz..
In den nächsten zehn Jahren tritt die Generation der Meister in den Ruhestand – jene Generation, die das praktische Know-how des Berufs in sich trägt.
Wenn ihre Erfahrungen und ihr Wissen nicht an die nächste Generation weitergegeben werden, verschwinden sie mit ihnen.
Es geht nicht um Arbeitskräfte.
Es geht um die Fähigkeit, Fachkompetenz weiterzugeben.
Was die Forschung zeigt:
Fachkompetenz reproduziert sich nicht von selbst.
Personalgewinnung allein löst das Problem nicht.
Kurzfristige Schulungen ersetzen keine langfristige Kompetenzentwicklung.
Das System verbraucht heute Fachlichkeit schneller, als es sie erneuert.
Ohne systematischen Wissenstransfer wird die Qualität handwerklicher Arbeit langfristig sinken.
Es gibt unterschiedliche Wege in das Handwerk.
Unternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentliche Institutionen arbeiten häufig nebeneinander statt miteinander.
In den letzten dreißig Jahren hat die Gesellschaft Preis, Geschwindigkeit und Produktivität optimiert.
In den generationenübergreifenden Wissenstransfer wurde weniger investiert.
Das Ergebnis: eine wachsende Lücke – zwischen dem, was erfahrene Fachleute können, und dem, was das System weiterzugeben vermag.
Diese Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt des Atlas der handwerklichen Kompetenzreproduktion – und die Grundlage für die gemeinsame Entwicklung tragfähiger Lösungen mit Unternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Akteuren.
Wobei der Atlas unterstützt?
Der Atlas zeigt, wie Fachkompetenz erhalten, weitergegeben und für kommende Generationen gesichert werden kann.
Unternehmen, Bildungseinrichtungen, erfahrene Fachkräfte, Regionen und Fachpartner tragen dabei jeweils einen wichtigen Teil zum Gesamtsystem bei.
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Was aus dem Atlas entstehen kann?
Der Atlas der Reproduktion von Fachkompetenz zeigt, wo Wissen entsteht, wo es verloren geht und welche Barrieren den Transfer zwischen Menschen, Unternehmen und Institutionen behindern.
Er macht Zusammenhänge sichtbar und schafft eine Grundlage für konkrete Maßnahmen – von lokalen Initiativen bis hin zu langfristigen strukturellen Entwicklungen.
Verbindung erfahrener Fachkräfte mit ihren Nachfolgern – strukturiert, begleitet und mit Kontinuität.
Flexible Bildungsformate, die echte praktische Erfahrung im Betrieb und im Feld ermöglichen.
Nachfolge- und Mentoringstrukturen, die rechtzeitig aufgebaut werden – bevor Schlüsselpersonen ausscheiden.
Koordination lokaler Akteure rund um konkrete Gewerke und regionale Bedarfe.
Verbindung von Theorie und Praxis, damit der Einstieg ins Berufsleben nahtlos gelingt.
Dokumentation und Weitergabe von Wissen, das sonst mit den Menschen verloren gehen würde.
Es gibt nicht die eine große Lösung. Auch kleine Schritte sind wertvoll.
Wir suchen Partner, die zur Sicherung und Weitergabe von Fachkompetenz im Handwerk beitragen möchten.
Möchten Sie sich beteiligen? Kontaktieren Sie uns.
Atlas der Wissens- und Kompetenzweitergabe im Handwerk
Die Tschechische Republik und Deutschland stehen seit Jahren vor einem zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften im Handwerk sowie gleichzeitig steigenden Anforderungen an die Qualität der praktischen Arbeit. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in den Grenzregionen, in denen Arbeitsmärkte und Arbeitskräfte auf natürliche Weise miteinander verflochten sind.
Trotz bestehender Bildungseinrichtungen, betrieblicher Schulungsangebote und Aktivitäten von Materialherstellern bleibt das System der beruflichen Ausbildung fragmentiert. Die einzelnen Akteure bearbeiten häufig nur Teilaspekte des Problems, während eine systematische Koordination weitgehend fehlt. Dies führt zu einer Diskrepanz zwischen den Kompetenzen der Absolventinnen und Absolventen und den tatsächlichen Anforderungen der Praxis.
Das vorliegende Dokument versteht sich als erster Schritt hin zu einem systematischen Ansatz zur Weiterentwicklung der handwerklichen Bildung im deutsch-tschechischen Grenzraum. Auf Grundlage eines dreijährigen eigenen Forschungs- und Praxisprojekts, einer Akteursanalyse sowie Interviews mit Fachleuten aus der Praxis identifiziert der Atlas zentrale systemische Lücken und formuliert zugleich mögliche Entwicklungs- und Kooperationsansätze.
Das Material darf ohne Zustimmung der Autorin weder übernommen, bearbeitet noch veröffentlicht werden. Die Angabe der Autorenschaft ist verpflichtend.
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